Die Theorie des Abwehrens      
(Mirco Berwing)

 

Abwehrbewegungen entsprechen dem defensiven Wesen des American Kenpo am meisten, so dass sie dessen eigentlichen Sinn ausmachen.

Ein Block ist nichts anderes als eine Bewegung,
die gegen Körper oder Gliedmaßen des Gegners oder dessen geführte Waffen gerichtet ist,
um eine Verletzung des eigenen Körpers  und weitere Aktionen zu verhindern.

Bei einem effektiven Selbstverteidigungsystem, wie auch dem American Kenpo als defensives System, gibt es mehr Abwehrbewegungen als Stoß- und Beintechniken. Traditionelle Abwehrbewegungen unterscheiden sich in der technischen Ausführung von den heutigen modernen Abwehrbewegungen des Wettkampfsports. Das liegt darin begründet, dass die Blöcke in ursprünglicher Zeit geschaffen wurden, um bewaffnete und unbewaffnete Angreifer abzuwehren, damals ging es noch um Leben oder Tod. Der Kampf ums eigene Überleben, war der Garant für die Ausführung eines effektiven, schnellen und direkten Blockes. Mit dem Wegfall einer tödlichen Bedrohung im Angriff, ändert sich die Reaktion auf diesen völlig. Selbst die künstliche Vorstellung solch einer Situation (z.B.. im Training im Dojo)  kann nicht die "Urinstinkte" wecken, wie es das "Angesicht des Todes" direkt tut. Die Folge war eine allmähliche Veränderung der Abwehrbewegungen und das "Vergessen" wichtiger Fakten die einen Block im Angriffsfall  "sicher" machen. Alle Abwehrbewegungen haben physikalische Gesetzmäßigkeiten als Grundlage, die Ausführung kann trotzdem durchaus variieren. Welche Variante wann benutzt wird ist abhängig von den Fähigkeiten des Ausführenden, der Art des Angriffs und von Timing, Winkel und Richtung.

 

Wie entstanden die Abwehrbewegungen in den Kampfstilen?

Abwehrbewegungen sind von ihrem Ursprung kein Kunstprodukt. Wie entstanden die Bauernwaffen (Bo, Tonfa, Sai, Kama usw.)  in Japan? Aus der Not heraus, sich mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs (also Gegenstände, die ständig verfügbar waren) gegen Angreifer verteidigen zu müssen, da das tragen von jeglichen Waffen verboten war. Auch die waffenlosen Bewegungen entwickelten sich aus der Fülle der Erfahrungen mehrerer Generationen, in Abhängigkeit von den Erfordernissen der Zeit. Die ersten Erfahrungen mit dem Abwehren macht man schon als kleines Kind, z.B. wenn im Sommer die Mücken um den Kopfschwirren. Mit runden einfachen Bewegungen werden die Mücken verscheucht. Wie erwehrte man sich gegen die handgreiflichen Neckereinen des großen Bruders? Mit einfachen runden, kreisenden Armbewegungen. Also entwickelten sich auch waffenlose Blockbewegungen aus Bewegungen des Alltags. Schaut man sich heute die Abwehrbewegungen mancher Stile an, so fragt man sich , wo der „Alltag“ geblieben ist. Da werden Blockbewegungen zelebriert, ohne Frage nach der Wirksamkeit. Aber  wozu braucht ein Wettkampfstil eigentlich real wirksame Techniken?

Die Legende erzählt, dass viele Techniken oder auch Stile im Shaolinkoster dadurch entstanden sind, dass Mönche Tiere beobachtet haben. Das kann man in vielen Büchern so lesen, es mag sein, dass bestimmte Bewegungen von Tieren faszinierten und Anregungen gaben für Anwendungen. Ich denke eher, dass die Bewegungen zuerst da waren und die zufällige Ähnlichkeit mit Bewegungsmuster von Tieren, ließen genug Spielraum für Fantasie.

 

Die Technik

 

Abwehrbewegungen können mit allen Gliedmaßen und dem Körper selber ausgeführt werden, meist in Verbindung mit Körperbewegung (Schritte, Gleit- und Meidbewegungen usw.). Die Bewegung des Körpers beim Ausführen einer Abwehrtechnik sind ein wichtiger Bestandteil dieser. Im Kenpo wird keine Abwehrbewegung ohne Körperbewegung ausgeführt.

Kenpotypisch ist, dass Abwehrbewegungen  meist im Zusammenhang mit einer zweiten, gleichzeitigen Bewegung (duale Bewegungen) ausgeführt  werden, dem so genannten Double Factor.  Diese zweite Bewegung kann eine weitere Abwehr- oder auch eine Gegenangriffbewegung sein, die gegen das selbe oder ein anderes Ziel ausgeführt wird. Es bezieht sich also auf raffinierte Bewegungen, die dual offensiv und defensiv sind. Revers Motion ist in diesem Konzept integriert.

Double Factor ist sozusagen die Ausnutzung der Rückwärtsbewegung in der Abwehr, gemäß dem Konzept der „fließenden Bewegung“ (Sequential Flow) und besonders der „Ökonomie der Bewegung“ (Economy of Motion). In den Formen Short 1 und Long 1 und in den Coordination Set 1 und 2 trainiert man Double Factor intensiv.

 

Traditionelle Abwehrbewegungen Grund-Bewegungen lt. Parker
  • direkt (chong quan)
  • parierend  (jia quan)
  • abschlagend  (jie quan)
  • kurvenförmig  (chao quan)
  • zerschmetternd  (zhuang quan)
  • querverlaufend  (hengge quan)
  • hängend (gua quan)
  • inward
  • outward
  • downward
  • upward
  • pushdown

 

           Welche Hilfsmittel können eine Abwehrbewegung effektiver machen?

 

 

 

Wege des Erlernens

Abwehrbewegungen erlernt man in der ersten Stufe am besten so, wie andere Techniken auch, in einer Körperhaltung, die es erlaubt, sich voll auf das Lernen zu konzentrieren (Training Horse Stance). Neben dem Studium der bloßen Bewegungen, ist es wichtig dem Schüler auch die physikalischen Zusammenhänge einer Abwehr zu erläutern. Nur eine verstandene Bewegung kann auch verinnerlicht werden!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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