Pistolenabwehr
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Die Bedrohung                 Die Überlebensmöglichkeiten               Grundsätze/ Prinzipien                Verletzungen

 

Die Abwehr einer Pistolenbedrohung in der nahen Distanz, wird im American Kenpo Programm nur im Ansatz, in vier Techniken, trainiert. Da wir viele Schüler betreuen, die berufsbedingt ein berechtigtes Interesse an der Arbeit mit der Pistole haben, haben wir unser eigenes Programm (außerhalb des normalen Prüfungsprogramms) für Waffenabwehr geschaffen, welches innerhalb von PKaT gelehrt wird.. Wir haben die vorhandenen Kenpoelemente erweitert und anwendungstauglich verarbeitet, so dass auch ein Familienvater ohne Kampfkunsterfahrung im Dienst eine Chance hat, in solchen Situationen richtig zu reagieren. In folgendem Artikel möchte ich versuchen, die Problematik Schusswaffenbedrohung für den "Normalbürger" in Auszügen verständlich darzulegen. Weitergehende Studien sind auf unseren Seminaren möglich (siehe auch hier).

Lt. Auswertung haben die meisten tödlichen Treffer
eine Schußentfernung von 6,5 m !

 

Die Bedrohung

Bedrohungen mit Schusswaffen, zählen Zweifels ohne zu den gefährlichsten Situationen. Die Chancen, mit dem Leben davon zu kommen sind, angreiferabhängig, sehr gering. Aus diesem Grund ist man nicht verpflichtet, die "Gefährlichkeit" (scharfe Schusswaffe oder Schreckschusswaffe) zu überprüfen,  bevor man beginnt Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Nicht nur  polizeiliche Schützen trainieren nach dem Grundsatz: "Im Falle einer Gefahr muss die Waffe blitzschnell aus dem Holster gezogen und zum Einsatz gebracht werden können."  Noch komplizierter wird es, wenn die Waffe verdeckt getragen/ gezogen wird. Auch kriminelle Schützen können professionelle Schießtechniken beherrschen! Ist das der Fall, reduzieren sich die Überlebenschancen fast auf  Null.

Man könnte jetzt dem Kampfkünstler den Mut zur Waffenabwehr nehmen, wenn man sich einmal mit den eigentlichen Ziehzeiten von Waffen beschäftigt. Folgende drei Zeiten bestimmen die Zeit vom erkennen der Gefahr bis zum ersten Treffer im Ziel:

Reaktionszeit Ziehzeit Schießzeit
visuell 0,15 - 0,22 sek.
akustisch: 0,14 - 0,17 sek.
0,2 - 0,5 sek.
0,1 - 0,2 sek.
Brauchbare Reaktionszeiten liegen immer unter 0,3 sek., man kann sie durch geeignetes Training verbessern. Reaktionszeiten aus normalen Alltagssituationen sind durch die "Schrecksekunde" langsamer als in einer offensichtlichen Trainingssituation. Ist der Zeitraum  vom Ergreifen des Waffengriffs bis zum Anschlag in Richtung Ziel. Ist die Zeit die man benötigt, um den Abzug zu betätigen, damit sich ein Schuss löst.

Die gesamte Ziehzeit kann sich durch verschiedene Faktoren noch verändern, z.B. je nach dem ob das Holster geöffnet oder geschlossen ist.

Die Überlebensmöglichkeiten

Man kann also leicht erkennen, dass man sich in der Abwehr von Schusswaffen keinerlei Illusionen hingeben lassen sollte. Wenn eine Pistole zum Einsatz gebracht werden soll, so wird das meist auch geschehen und zwar blitzschnell. Eine gefährliche Waffe ist aber kein Grund, sich nicht mit dessen Abwehr zu beschäftigen. Die Überlebenschancen können sich erhöhen wenn:

und weiterhin:

Jemanden, der eine scharfe Waffe mit sich führt, muss man als hochgradig gefährlich einstufen, es ist jemand, der bereit ist, seine Waffe auch zu benutzen! Diese Bedrohung erfordert größt mögliche Wachsamkeit im Vorfeld und rücksichtsloses Vorgehen in der Aktion.

Die Überlebensfaktoren sind in folgender Grafik dargestellt:

 

Diese Faktoren erklären sich in kürze wie folgt:

Faktor Bemerkung
geistige Wachsamkeit
  • der wichtigste Faktor
  • Grundvoraussetzung für das Erkennen und Bewerten der Gefahr
  • Vermeidung von Schockreaktionen/ Schrecksekunde
  • folgerichtige, schnellstmögliche Einleitung von Gegenmaßnahmen
Taktik
  • genau wissen, was man im Bedrohungsfall am effektivsten zu tun hat (Prinzipien/ Grundsätze)
  • Arten der Gefahrenerkennung/ -vermeidung
Technik
  • realistische, einfache, effektive und risikominimierende Techniken
  • Abwehrmöglichkeiten von Bedrohungen aus Sondersituationen (zB. aus der Bodenlage)
Waffenwirkung
  • kennen der Wirkungsweise von Waffen und deren Geschossen
  • Verletzungsgefahren (zB.: beim greifen einer Waffe)
  • der Schütze selbst mit seinen Faktoren (Wille zum töten, Kampferfahrung und realistische Schießtechnik)
körperliche Kondition
  • einsatzfähiger Gesamtzustand, um evtl. Bedrohungen durch geeignete Aktionen schnell zu begegnen

 

Grundsätze/ Prinzipien der Abwehr von Schusswaffen in der nahen Distanz nach Mirco Berwing

Es nützt nicht, viele hunderte Abwehrtechniken zu erlernen, im Stress eines Ernstfalles fällt einem eh nichts mehr ein. Einige wenige Grundsätze aber kann man sich gut merken und auf evtl. vorhandenes Wissen übertragen und anwendbar machen......natürlich auch nicht ohne Training.

Grundsätze Anmerkung
Nie in die Schussbahn bewegen und/ oder so schnell wie möglich aus der Schussbahn heraus bewegen ! Zwei Faktoren sind an einer Waffe gefährlich, erstens: das Geschoß und zweitens: die Waffe selbst (Schlagwaffe). Das Geschoß hat natürlich die höchste Gefährlichkeit, aus diesem Grunde bei einer Bedrohung: So schnell wie möglich aus der Schussrichtung kommen und dort auch, unter allen Umständen,  bleiben (mittels Kombination aus Körperbewegung und Waffenkontrolle).
Die Waffenhand unter Kontrolle bringen und möglichst die Waffe selbst ergreifen (sichern)! Um aus der Schussrichtung zu kommen, oder dort zu bleiben ist es u.a. sehr hilfreich, die Waffe selbst unter Kontrolle zu bringen. Somit wäre ein gerichteter Schuss nicht oder nur schwer möglich. Achtung, auch die Treffermöglichkeit von Unbeteiligten beachten! Das bedeutet auf sichere Mündungsrichtung achten, wenn möglich. Also versuchen, die Waffe nach Kontrolle durch greifen mit bedacht zu führen. (Auch Schützen müssen eine Mündungsdisziplin entwickeln, um sich und andere vor Schaden zu bewahren, besonders auch bei Teamarbeit.)

Das Greifen der Waffe von oben (also des Schlittens) ist ohne Probleme möglich. Man sollte nur darauf achten, das man die Waffe möglichst fest greift. Der Schuß der sich im Lauf befindet, kann sich ohne weiteres lösen (Vorsicht!!!), nur ein Nachladen wird verhindert.

Entwaffnen! Um sich nicht unnötig lange mit waffenlosen  Techniken des Gegners beschäftigen zu müssen, ist eine schnelle Entwaffnung nötig.
Eine evtl. herunter gefallene Waffe unter Kontrolle bringen/ halten! Bei Entwaffnungsversuchen heruntergefallene Waffe immer unter Kontrolle bringen. Es besteht immer die Möglichkeit das der Angreifer die Waffe wiedererlangt, oder dritte Personen (Komplizen) sich ihrer ermächtigen.
Beweissicherung! Nur bei Möglichkeit (Leben geht vor), versuchen die Waffe möglichst wenig oder gar nicht zu berühren. Das erleichtert hinterher die Sicherung von Beweismitteln (Fingerabdrücke).

 

 

Schussverletzungen

Sich mit Schussverletzungen zu beschäftigen ist auch als Nichtschütze wichtig, denn für den "Normalbürger/ Kampfkünstler" ist dieses Thema etwas fremdes, mit dem man scheinbar nie in Berührung zu kommen scheint....das kann aber manchmal schneller gehen als einem lieb ist.

Nur wer weis was passieren kann, hat bessere Chancen!

Theoretisch müsste man bei diesem Thema bei Waffen- und Geschossarten beginnen. Da wir an dieser Stelle keine Diplomarbeit schreiben wollen, verzichten wir darauf und verweisen auf unsere weiterführende Waffenseminare (oder "Lehrunterlagen für Einsatzkräfte"), die dann auch teilweise auf dem Schießstand stattfinden. Im folgenden geben wir nur einen kleinen, unvollständigen Einblick für den Laien/ Kampfkünstler, um die ganze Tragweite wenigstens im Ansatz zu betrachten. Spezielle Fachfragen beantworten wir sehr gern auch in unserem Forum oder bei bestimmten Themen auch per Mail.

Um es voraus zu sagen, die psychologische Munitionswirkung eines Geschosstreffers auf Personen ist nicht vorausschaubar und abhängig von:

 

Trefferarten

Prellschuß - ein Geschoß  prallt auf den Körper auf ohne die Haut zu durchdringen

- die Folge sind Quetschungen der Haut und evtl. des darunter liegenden Gewebes (z. B. bei Treffer auf Schutzweste möglich)

Streifschuß - ein Geschgoß streift den Körper nur tangential und pflügt oder schürft die Haut auf
Steckschuß - ein eingedrungenes Geschoß hat nicht mehr die Kraft den Körper zu verlassen, weil es z.B. schon zu viel Energie verloren hat
Durchschuß - ein Geschoß dringt in den Körper ein und tritt auch wieder aus

 

Schock
Die Auswirkungen eines Geschosstreffers im menschlichen Körper selber sind abhängig von Geschoßeigenschaften (hier nicht weiter ausgeführt) und Trefferzone. Das, in den Körper eindringende Geschoss  erzeugt einen Wundkanal mit senkrecht zu ihm verlaufenden Schockwellen. Die Eindringkraft allein, kann schon die Kampfunfähigkeit eines Menschen bewirken, ohne dass das Opfer überhaupt schon einen Schmerz gespürt hat. Die Auswirkungen dieses Schocks kann vom Weiterschiessen bis hin zum plötzlich Tod reichen.
 
Bei einem Körpertreffer entstehen immer verschiedene Schockarten:
Schockart Anmerkung
Aufprallschock ...abhängig von: Masse, Querschnitt, Geschwindigkeit
Wundschock ...abhängig von: Kaliber, Verformbarkeit des Materials, Energie
Schmerzschock ...abhängig von: Größe und Form des Wundkanals, Stresszustand des Getroffenen
hydrodynamischer Schock ...nur bei Geschossgeschwindigkeiten von mehr als 600m/s relevant (Gewehr-/ Maschinengewehrmunition)
 
Schmerz
Die entstandene Wunde bei einem Treffer erzeugt natürlich auch Schmerz. Der empfundenen Schmerz kann aber höchst unterschiedlich sein. Er ist abhängig von dem psychischen Zustand des Getroffenen und der getroffenen Stelle am Körper (nicht jeder Körperteil ist gleich schmerzempfindlich). Hohe Konzentration auf eine Handlung, Gefechtslärm und Stress können Empfindungen sehr verändern. Es kann soweit führen, dass der Getroffene einen Treffer überhaupt nicht bemerkt ( Meist zu beobachten bei Durchschüssen ohne Knochenverletzungen, hier wirkt meist erst das herunterlaufende Blut als Indikator). Also noch mal:

Man kann die Trefferwirkung eines Geschosses nicht voraussagen!

Zu Maßnahmen bei Schussverletzungen folgen an dieser Stelle keine weiteren Ausführungen. Wichtig für das evtl. Überleben nach einer Schussverletzung sind drei Dinge:

Möglichst einen Schock vermeiden.

Die Wunde (Schusswunden bluten meist stark) möglichst sofort blutstillend versorgen.

Nicht aufhören zu kämpfen, solange man psychisch dazu noch in der Lage ist.
Selbst scheinbar ausweglose Situationen, können noch eine kurzfristige Wende nehmen!

 

(Artikel aus "Lehrunterlagen für Einsatzkräfte", M.Berwing)

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