Bericht über ein
American Kenpo Seminar in Texas
(Quelle: Kick, 12/95, Autor unbekannt)

 

Kindertraining im Camp

 

Texas, irgendwo in der Wildnis, eineinhalb Autostunden von Austin. Hier liegt das BoyScout-Camp, eine Ansammlung von kleinen Hütten in der sonst abenteuerlustige amerikanische Kids ihre Ferien verbringen.

Doch dieses Wochenende stand unter einem anderen Zeichen: dem des Tigers und des Drachens, denn es fand ein Seminar und ein Treffen von einigen der höchstgraduierten Meistern in Ed Parkers American Kenpo System statt. Seit dem Tod Parkers im Dezember 1990 sind viele unschöne Dinge passiert, die Kenpo-Szene ist gespalten. Viele der engsten Schüler Parkers gründeten eigene Organisationen, andere mussten die International Kenpo Karate Association, die für sich noch immer in Anspruch nimmt, der "Originalverband" zu sein, verlassen, weil es mit Parkers Witwe Leilani zu Unstimmigkeiten kam. Sie fährt nun die Organisation mit straffer Hand, was von vielen kritisiert wird, da sie selbst nie Kenpo betrieben hat Jeff Speakman (5. Dan) und John Sepulveda (6. Dan) kamen erst um die Mittagszeit an, als das Seminar bereits voll im Gange war. Sie erst abends um elf Uhr eine Kampfsport-Gala in Santa Clara verlassen, verbrachten die Nacht im Flugzeug und mieteten dann ein Auto, um wie einst die Cowboys mit ihren Pferden das Camp zu suchen. "Ouss, Mr. Speakman, ouss, Mr. Sepulveda." Ja, in Amerika werden die Etikette großgeschrieben, wobei diese beiden Persönlichkeiten sicherlich einen besonderen Ruf genießen. Aber dennoch, die Lehrer essen zuerst, dann bekommen die anderen, streng nach Graduierung unterteilt, ihre Ration.

Als Speakman und Sepulveda ankamen, trainierten die Gruppen bereits seit längerer Zeit, im Freien, auf Sand oder Grasboden. Einige der Lehrer begutachteten das Training von einer schattigen Veranda aus, andere standen in der Hitze und unterrichteten. Richard "Huk" Planas, einer der ersten Schüler Parkers und heute Träger des 8. Dan, zeigte den Blackbelts verschiedene Messerkampftechniken. Hier konnten einige auch Parallelen zu philippinischen Systemen erkennen. Übungen für den "Kenpo-Flow" zeigte Frank Trejo, ebenfalls ein langjähriger Schüler Parkers, der heute allerdings an die 200 Kilo wiegt. Seine Trapping-Techniken erinnern stark an das JeetKune-Do, wodurch gezeigt wurde, da sich die Kenpoists nach allen Seiten hin offen halten. Das die Techniken des Kenpo auch mit Sticks funktionieren, zeigte Jim Burke am späten Nachmittag. Speakman und Sepulveda hatten sich zurückgezogen, sie waren des abendlichen Meetings ´wegen gekommen. Burke verdeutlichte, daß jede Block- und Schlagtechnik mit der Waffe ausgeführt werden kann. Wie er dieses Prinzip umsetzte, brachte selbst "alte Hasen" ins Staunen.

In den anderen Pools unterrichteten neben dem Ausrichter Brian Duffy (5. Dan) Steve La Bounty und Tom Kelly, später dann auch Brian Hawkins und Barbara Hale. Unter den Teilnehmern befand sich unter anderem auch Edmund Parker Jun., der bewusst keine Sonderstellung einnehmen wollte. Später am Abend kam wirklich sentimentale Cowboystimmung auf: Unter dem klaren Sternenhimmel erzählten die "Seniors" am Lagerfeuer von den alten Tagen, von damals, als sie selbst noch jung waren und unter "EP" trainierten. Brian Hawkins, der in Jeff Speakmans Filmen dessen Partner für die Kampfszenen darstellt, hält es für wichtig, das gesamte Kenpo-Wissen zusammenzubringen. "Mr. Parker würde sich sehr ärgern, wenn andere sagen, dass sie alles wüssten", meinte er. Daher hielte er es für wichtig, einen "Seniors Council" zu gründen, in dem die höchstgraduierten Vertreter des Stils, ohne Ansehen der Verbandszugehörigkeit, zusammentreffen und ihr Wissen austauschen könnten - Eine Idee, die später freudig aufgenommen wurde: Steve La Bounty und Tom Kelly stehen der Gruppe nun vor.

La Bounty meinte, er könne sich als Lehrer erst dann zurückziehen, wenn er etwas an der Kunst verbessert habe. Gespannt lauschten natürlich alle dem kurzen Vortrag von Jeff Speakman. Er erzählte kurz von seinem neuesten Filmprojekt "The Expert", der auf dem besten Drehbuch basiere, da er je gelesen hatte. Auch fühle er eine große Last auf seinem Rücken, da es nicht immer einfach sei, Ed Parkers Kunst in der Öffentlichkeit so zu repräsentieren. Mit Tränen in den Augen erinnerte er sich dann an die Zeit, als er noch gemeinsam mit Barbara Hale und Brian Hawkins einmal pro Woche zu Ed Parker nach Hause kam, um dort an den Kenpo-Techniken zu arbeiten. Besonders ergreifend war es allerdings, als zuletzt Ed Parker junior das Wort ergriff. Wie er erzählte, war er als Kind oft eifersüchtig auf die Schüler seines Vaters, weil er so viel Zeit mit ihnen verbrachte. Sie seien erst später näher zusammengekommen, "so wie echte Freunde". Allerdings berühre es ihn immer, wenn er die Leute von Mr. Parker oder Master Parker sprechen höre. "Wisst ihr, für mich war es einfach "Dad", und auch hier hat er wundervolle Arbeit geleistet. Und wenn er jemanden umarmt hat, dann kam dies von Herzen", sagt er.

Die "Seniors" schlossen sich nun zusammen, um die genaue Zukunft des "American Kenpo Senior Council" zu planen. Dabei sieht es gut aus, denn abgesehen von Larry Tatum, Joe Palanzo und Chuck Sullivan haben sich die höchsten Vertreter dieser Gruppe angeschlossen. Wie sich die Gruppe durchsetzen wird, weiß nur der Himmel.

Jeff Speakman musste bereits am nächsten Morgen weiterreisen, da er in El Paso ein Seminar abhalten musste. Als Kenpo-Botschafter ist er eben sehr gefragt. Er hat übrigens erst vor einigen Monaten seinen eigenen Verband gegründet und sich von Bryan Hawkins United Kenpo Systems getrennt. Der neue Verband heißt American Kenpo Karate Systems und hat zur Zeit etwa 1000 Mitglieder in Amerika. Doch auch Jeff Speakman arbeitet eng mit dem American Kenpo Seniors Council zusammen. Demnächst will er nach Deutschland kommen, um seinen neuen Film vorzustellen und Seminare abzuhalten.

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