speak1.jpg (29722 Byte)        Interview mit Jeff Speakman         speak2.jpg (31521 Byte)
(von  Marc Sigle aus "Kick", 1979)

 

Mr. Speakman, sie haben das erste große AKKS Kenpo Karate-Camp organisiert. Was bedeutet das für sie?
Es sind viele Dinge; die dabei für mich wichtig sind. Es ist vor allem die Tatsache, daß es der Anfang eines Traums ist, den ich mit Mr. Parker hatte. Wir wollten den Erfolg, den ich im Film hatte, dazu verwenden, die Kenpo-Familie wieder zusammenzubringen. Außerdem ist das Camp wegen seiner Aufmachung einzigartig. Wir haben so viele verschiedene Lehrer von verschiedenen Disziplinen des Kenpo; die Ed Parkers Leben während verschiedener Zeiten miterlebt haben. Und das ist das erste Mal, daß so eine vielfältige Gruppe von Lehrern mit solch einem Wissensumfang allen Schülern an einem Ort zugänglich gemacht wird.
 
Das Camp war also offen für Teilnehmer aus allen Verbänden?
Ja, sicher, es war für alle Kenpoists von der ganzen Welt. Und es war ein großer Erfolg. Wir hatten über 300 Teilnehmer aus verschiedenen Nationen. Wir werden es künftig jedes Jahr veranstalten, und wahrscheinlich wird es 1997 in Las Vegas stattfinden.
Warum haben sie die American Kenpo Karate Systems (AKKS) gegründet?
Der Verband wurde gegründet, weil es überall auf der Welt Kenpoists gibt, die nach einem Platz suchen, an dem ihnen niemand vorschreibt, was sie zu tun oder zu lassen haben und ihnen dabei noch viel Geld abknüpft. Mein Bekanntheitsgrad kommt dem Verband natürlich zugute, wobei ich nicht die Führung der Kenpo-Welt übernehmen will. AKKS will den Kenpoists eine Heimat geben, wo sie, ohne ständig viel Geld bezahlen müssen, mit Material, Unterricht und sonstigen Informationen versorgt werden. Es ist viel Arbeit, aber es ist machbar.
Sie haben die IKKA, die unter der Leitung von Ed Parkers Witwe Leilani steht, bereits vor einigen Jahren verlassen; warum?
Ich hatte immer schon ein sehr enges Verhältnis zu Ed Parker jun., der auch hier beim Camp ist. Der Grund, warum ich die IKKA verlassen habe, war vor allem der, daß einige Schlüsselfiguren, von denen ich weiß, daß Mr. Parker sie geschätzt und gemocht hat, aus dem Verband rausgeekelt oder rausgeschmissen wurden. Ich habe versucht, das zu ändern, doch das hat nicht geklappt. Wenn ich also in einem Verband bleibe, der solche Dinge tut, unterstütze ich das. Deshalb hatte ich mich entschlossen, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich habe es drei Jahre mit einem anderen Verband versucht, und am Schluß war das sehr schwer für mich, dort wegzugehen. Es ist das alte Lied: Mach nie Geschäfte mit Freunden. Ich denke immer, daß das stärkste, was ein Kampfkünstler hat, sein eigenes Wort ist. Und wenn ich jemandem sage, ich tue etwas, dann mache ich das auch, selbst wenn das eine oder andere Problem erwächst. Ich hatte das. Gefühl, daß sich niemand richtig um etwas gekümmert hat. Ich habe mir wirklich lang überlegt, aus der ganzen Sache auszusteigen und nur noch ab und zu Seminare zu halten. Aber Brian Heins und Bert Randio haben mich überzeugt, daß die Kenpo-Welt einen Verband braucht, der nicht auf Geld und Gier basiert.
Für AKKS sind sie als Technischer Direktor tätig?
Ja, ich bin der Senior Technical Advisor, und der Verband wächst schneller, als wir es je zu wünschen gewagt hätten. Es haben sich auch schon viele Schulen aus dem Ausland angeschlossen. Ich denke, ein Grund dafür ist, daß sich mit John Sepulveda ein weiterer Oldtimer, der seit 1964 Kenpo trainiert, als National Director für die USA betätigt. Er hatte eine große Anhängerschaar in Amerika, und er hat einen sehr guten Ruf in Europa. Also haben wir und zusammengetan. Das muß wohl vielen Leuten gefallen haben.
Sie waren in Europa. Wie hat es ihnen dort gefallen? Welchen Eindruck haben sie gewonnen?
Ich habe mit großer Freude gesehen, daß es überall auf der Welt gute, talentierte Kenpo-Leute gibt. Mr. Parker hat sein Wissen, seine Weisheit und seine Liebe über Jahre hinweg über die ganze Welt verbreitet. Es muß nicht heißen, daß, nur weil Mr. Parker in den USA gelebt hat, es hier auch das beste Kenpo gibt. Das ist nicht wahr. Und selbst hier gibt es einige, die glauben, das beste Kenpo gebe es in Kalifornien, weil er dort gelebt hat, und das ist auch nicht wahr. Ich habe herausgefunden, daß es überall in Amerika und auf der ganzen Welt sehr gutes Kenpo gibt. Mr. Parker hat diese Leute direkt unterrichtet. Es macht mir sehr viel Freude, all diese Leute zu treffen, und wir sind alle gute Freunde. Das ist doch das wichtigste.
Was fasziniert sie an Ed Parkers Kenpo?
Ich denke, es fasziniert mich am meisten, wie Kenpo mich immer wieder dazu auffordert, meine Ängste zu besiegen, meine Grenzen zu überschreiten und mehr über mich selbst zu lernen. Diese Herausforderung liegt einfach in der Natur des Kenpo. Im technischen Bereich ist es faszinierend, zu sehen, wie vielfältig das System ist. Ich habe das, als ich noch mit Mr. Parker trainiert habe, gar nicht realisiert. Man kann 20, 25, ja sogar 30 Jahre lang ständig Neues lernen. Das ist, auch im Vergleich mit anderen Systemen, wirklich sehr beeindruckend für mich.
Sie lernen noch weiter?
Ja, ich lerne ständig weiter. Wenn ich die Zeit dafür finde - zur Zeit hält mich das Filmgeschäft sehr beschäftigt - versuche ich, zu lernen. Ich hatte die Möglichkeit, an Informationen aus verschiedenen Quellen zu kommen, worüber ich sehr froh bin.
Mit wem trainieren sie dann?
Zur Zeit trainiere ich entweder mit Barbara Hale, die sehr eng mit . Mr. Parker stand, oder mit Ron Chapel, einem Kenpo-Oldtimer, und mit John Sepulveda. Außerdem mit Mr. Frank Trejo, den jeder in der Kenpo-Welt kennt. Ich bin sehr gerne mit diesen Leuten zusammen.
Gehört Kenpo zu ihrem Tagesablauf? Wie trainieren sie?
Ich wiederhole ständig mein Material, gehe meine Set´s und Formen durch und trainiere Bodybuilding. Außerdem unterrichte ich sehr viel. Das hält mich motiviert, und ich lerne viele Kenpo-Leute kennen.
Haben sie ein Lieblingsthema, mit dem sie sich beschäftigen?
Ja, das habe ich. Danach hat mich allerdings noch nie jemand gefragt. Ich finde es interessant, daß die Techniken nur Mittel dafür sind, einem Schüler die Prinzipien der Bewegung nahezubringen. Die Technik also auf diese allgemeinen Gemeinsamkeiten zu reduzieren und zu erkennen, wie sich diese mit den Prinzipien anderer Techniken überschneiden, finde ich unheimlich interessant. Ich glaube, das sind die wirklichen Geheimnisse des Kenpo, und sie sind nicht da, um unterrichtet zu werden - man muß sie entdecken.
Was macht Ihre Arbeit beim Film?
Ich habe im Sommer zusammen mit Roy Snyder, Gary Byus und Steven Bauer den Film "Playdos Run" gedreht. Wir vier waren alle in der Hauptrolle, deshalb habe ich es gemacht. Es war eine gute Möglichkeit, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten. Er soll zu Anfang des kommenden Jahres erscheinen. Der Film handelt von drei Freunden, die zusammen beim Militär dienen. Zwei von ihnen sind immer noch "wild and crazy" und versuchen, auf dem Schwarzmarkt Geld zu machen. Sie wollen mich mit reinziehen, aber ich will nicht. Irgendwann geht was schief, die Tochter eines meiner Freunde wird gekidnappt, und das bringt mich wieder ins Spiel.
Gibt es in dem Film viele Kampfszenen?
Mmmmh, es ist kein typischer Speakman-Film, weil vier Leute in der Hauptrolle sind. Aber in der Zeit, in der ich zu sehen bin, gibt es viele Kampfszenen. Ich mache viele Messertechniken.
Aber es ist nicht wie Perfect Weapon?
Nein, es ist kein Kenpo-Film. Für mich war es eher die Möglichkeit, mit bekannten Schauspielern zusammenzuarbeiten. Trotzdem ist es immer noch ein Action-Film.
Und zur Zeit drehen sie auf Hawaii?
Ja; richtig. Ich arbeite gerade an einem Film für das Satelliten- und Kabelfernsehen. Es ist ein Famillien-Action-Abenteuerfilm. Die Kinder werden Spaß daran haben, ohne daß sich die Eltern Sorgen darüber machen müssen. Es wird ein Unterhaltungsfilm für die ganze Familie. Der Film heißt Atlantis, und wir drehen in Waikiki auf der Insel Oahu. Es ist verrückt, denn ich flog am Donnerstag in der Nacht von Hawaii her, kam ins Hotel, duschte und eröffnete die Veranstaltung. Am Wochenende habe ich unterrichtet, und am Montag fliege ich schon wieder nach Hawaii. Ich gehe vom Flughafen direkt zum Set. Und das, obwohl wir nur noch einen Tag lang drehen müssen.
Was machen sie, wenn sie nicht bei Dreharbeiten sind?
Das, was alle Schauspieler in Hollywood machen - nach Arbeit suchen. Es ist wirklich Arbeit, mit all diesen Leuten zusammen zu sein und sich selbst zu verkaufen. Ich bekomme ein bis fünf Drehbücher pro Woche zu lesen, und ich mache einen oder zwei Filme pro Jahr.
Gibt es schon Pläne für einen neuen Film?
Ja, zum Glück. Im Juni drehen wir "Drifter," einen Film, der unter Waldarbeitern in Oregon spielt und einen ökologischen Hintergrund hat. Es wird ein Actionfilm mit vielen Kampfszenen.
Und was sind Ihre nächsten Ziele im Kampfkunstbereich?
Nun, da das Wochenende vorbei ist und so ein großer Erfolg war, werden wir etwa zwei Monate lang ausruhen und dann das Camp in Las Vegas planen.
Eine letzte Frage noch: Hat Ihnen an diesem Wochenende etwas besonders gut gefallen?
Oh ja, es war die Antwort der Teilnehmer auf die Frage, ob ihnen das gefällt, was ihnen hier geboten wird. Der Beifall, die jubelnden Zurufe und das alles ging mir wirklich nah. Das war einfach Klasse.

 

 

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