Kenpo-Karate in Europa  
(von Marc Sigle aus "Kick", 1997)
Das Werk von Rainer Schulte

 

 

Mr. Reiner Schulte, Kenpopionier

Das American Kenpo führte Rainer Schulte 1972 in Deutschland ein.
Er hatte seit den sechziger Jahren unter Ed Parker in Los Angeles trainiert.
Der bekannte Dan Inosanto war sein erster Trainer in Parkers Schule.
Schulte kam als Mitarbeiter des US-State Departments nach Düsseldorf.

 

Er baute in Willich einen Kenpo Karate-Club auf, mit dem er sich bald einem Verein anschloß. Zu den ersten Schülern zählte Christian Springer, der heute in Meerbusch-Böderich ein Fitness-Studio mit einer Kenpo-Karate-Abteilung leitet.
Die siebziger Jahre waren Schultes "wilde Zeit." Es gab keine Herausforderung, der er sich nicht stellte.
Als ein in Holland lebender Sifu sagte, er kämpfe nur bis zum Tot,entgegnete Schulte: "Also gut, bring Deinen Anwalt mit, und dann regeln wir die Sache..." Der Sifu meinte dann, er kämpfe nich gegen seine Freunde. "Ich war noch nie Dein Freund," war Schultes Antwort.
Ed Parker schrieb irgendwann einen Brief an Rainer Schulte: „ Du wirbelst zuviel Staub auf," hieß es darin; jemand muß sich über sein Auftreten beschwert haben. Als Antwort schieb Schulte:"Ich erinnere mich an einen jungen Hawaiianer, der sich in den sechziger Jahren mit halb Kalifornien angelegt hat, um zu beweisen, daß Kenpo-Karate das beste System zur Selbstverteidigung ist." Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.
Zu dieser Zeit begann Schulte, auch im europäischen Ausland zu unterrichten, vor allem auf der Insel Jersey, die zwischen Frankreich ünd England liegt. Roy Mc Donald hatte in Irland mit dem Kenpo begonnen, wollte dann aber das "richtige Kenpo" erlernen. Inzwischen ist Roy Mc Donald Träger des 7. Dan in der IKKA (International Kenpo Karate Association). Rainer Schulte reiste zeitweise alle zwei bis drei Monate nach Jersey; hier fanden die ersten European Internationals statt.
1979 ging Rainer Schulte für ein Jahr zurück nach Kalifornien. Als er wieder nach Deutschland kam, um seinen eigenen Sicherheitsdienst, die Atlanta Security GmbH." aufzubauen, war ihm sein Club bereits "abhanden gekom-. men": Ein Schwarzgurt seines Vertrauens hatte sich Danny Pond angeschlossen. "Dort gab es die Schwarzen Gürtel schneller das gibt es bei mir nicht," erklärt Schulte die Gründe.
Mit einigen Schülern der alten Gruppe fing er von Neuem an. Mit dabei waren Christian Springer, der bereits Schwarzgurt war, Andree Kretschmer und Robert Fuhr, den Schulte als einen der "härtesten Kämpfer überhaupt" bezeichnet (Robert Fuhr trainiert heute noch im Studio von Christian Springer).

In dieser Zeit verstärkte Schulte sein Engagement in Spanien. Hier war er der erste Ausländer, der im Sportministerium sprechen durfte. Kenpo-Karate wurde dort in den Sportbund aufgenommen. In Madrid organisierte Schulte Turniere und Seminare mit Ed Parker. Kurz darauf gab es Streit in Spanien: "Irgendein Typ hat sich mit Mr. Parker fotografieren lassen und sich dann als dessen Schüler ausgegeben," erzählt Schulte: "Der war ein Naturtalent, aber eben kein Kenpo-Mann". Louis Gonzalez Lopes war ein Schüler Schultes, der es auch bis zum Schwarzgurt gebracht hat. Er habe dann aber alles selber machen wollen, und den Kontakt gelöst. Zusammen mit Hans Hesselmann, dem holländischen Repräsentanten, habe er auch das Prüfungsprogramm zusammengestrichen. "Hans Hesselmann hat ohnehin nie richtig mitgemacht, er hatte auch nie einen Kenpo-Schwarzgurt. Er hat zwar ein Buch über Kenpo geschrieben, aber Kenpo kann er nicht," kritisiert Schulte.

Auch in England und Irland unterrichtete Rainer Schulte regelmäßig. "In Plymouth war Gary Ellis unser Repräsentant. Der war sehr groß und schwer, hatte daher unheimlich viel Power." Irgendwann habe dann jeder sein eigenes Süppchen gekocht. Ein bißchen sei dies auch die Schuld von Ed Parker, der politisch stets den Weg des kleinsten Widerstands gegangen sei, meint der deutsche Pionier heute. Er habe die IKKA Europe fallengelassen. Rainer Schulte war es übrigens, der in der IKKA Europe die Verbandspässe eingeführt hat, in den alle Seminare, Turniere und Graduierungen eingetragen wurden. "Ed Parker war begeistert davon, er wollte das auch in Amerika einführen (Sportpässe sind in Amerika bis heute kaum verbreitet). Aber passiert ist das nie," so Schulte. Auch habe es in der IKKA keine klare Linie gegeben. Viele hätten Ed Parker ausgenutzt. So zum Beispiel Jim Mitchell. "Er war gut und präzise, aber er war eine Laus. Er hat etwas genommen und es dann gegen Dich verwendet." Nach Ed Parker Tod haben viele der "Seniors" die IKKA verlassen, weil sie mit der neuen Verbandspolitik nicht klar kamen. Schon früher haben einige Ed Parker den Rücken gekehrt, nachdem sie von ihm all das bekommen hatten, was sie wollten. Andere mußten gehen, wie zum Beispiel Larry Tatum. "Larry kam am nächsten an Ed Parker heran, er war super," schwärmt Rainer Schulte heute. Er habe aber Fehler in Ed Parkers Studio in West LA gemacht, und außerdem habe ihn Mrs. Parker nicht gemocht. "Er mußte nicht etwa gehen, weil er Ed Parker in den Rücken gefallen ist, wie es viele behaupten." Rainer Schulte sagt heute, er gehöre zum kleinen Kreis derer, die nie etwas ohne oder gegen Ed Parker gemacht hätten. Schulte war übrigens jahrelang Vizepräsident der IKKA und zugleich "Zeremonienmeister" bei den Internationals in Long Beach. In den achtziger Jahren gab er diese Positionen auf,seine Security-Firma und der S+L-Sportartikelvertrieb nahmen zu viel Zeit in Anspruch.

Aus der Kenpo-Szene zurückgezogen hat sich Rainer Schulte nach Ed Parkers Tod. Er wollte mit dem Streit, der ausbrach, nichts zu tun haben. Daher hat er seitdem keine Graduierung mehr ängenommen. Seinen 6. Dan bekam er noch aus den Händen von "EP." Heute beschäftigt sich Schulte mehr mit dem Boxen: "Dabei habe ich so viel gelernt, was ich früher gerne gewußt hätte. Dann hätte sich mein Stil sicher mehr in die Richtung von dem entwickelt, was Bruce Lee gemacht hat," sagt er. Mit Bruce Lee hat Schulte während der sechziger Jahre rund sechs Monate trainiert. Larry Hartsell, ein Kenpo-Schwarzgurt, habe ihn mit zu ihm genommen. Das Training habe in einem kleinen Raum ohne Fenster stattgefunden. In den Steinboden war ein Gully eingelassen, und hier wurde aufs Härteste trainiert. "Ich habe da nicht lange mitgemacht, da ich mir aufgrund meiner Arbeit (er war damals Vertreter) keine Verletzungen im Gesicht erlauben konnte," meint er heute. Aber es sei eine tolle Zeit gewesen...

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