American Kenpo Karate, Logik und Wissenschaft

 

(Schweden 1995, Übersetzung: Steffan Krassow)

Zwei Ausbilder aus dem Mutterland des Kenpo, USA, John Sepulveda, Senior Professor (7th. Degree) und Jeff Speakman, Associate Professor (5th. Degree) waren  vor einigen Jahren eingeladen, um die schwedischen Kenpo-Praktiker für drei Tage zu unterrichten. J. Sepulveda ist einer der begehrtesten Ausbilder im ganzen Kenpo-System und hat seit 1964 und direkt unter Ed Parker trainiert. Er besitzt selbst mehrere Schulen und hat auch Kontakt mit anderen Schulen in den USA und auf Hawaii. Er gründete seinen eigenen Verband, die J S Kenpo-Karate-Association und er ist Mitglied im Ältestenrat des Kenpo.

Jeff Speakman ist Träger des 6. Dan im Goju-Ryu und trainiert das Kenpo seit 1982, ebenfalls direkt unter Ed Parker. Durch seine Filme "The Perfect Weapon", "Street Knight" und "The Expert" ist er heute sehr bekannt. Wie J. Sepulveda ist auch er ein Mitglied des Ältestenrates des Kenpo.

Beide Ausbilder haben langjährige Erfahrungen im Kenpo und eine Menge zu lehren und so wurden es ein paar hektische Tage mit über 100 Teilnehmern aus allen Teilen des Landes.

Kenpo ist ein modernes und für Neuerungen offenes Kampfkunstsystem, das seine Prioritäten in die Selbstverteidigung setzt, man könnte sagen es ist eine Mischung zwischen alten Kampftechniken und moderner Wissenschaft. Was das Kenpo so interessant und einzigartig macht, ist dass das System auf den Einzelnen zugeschnitten ist, unter Berücksichtigung der Anforderungen an ein Selbstverteidigungssystem in einer Gesellschaft in der die Gewalt immer stärker in Erscheinung tritt. Die moderne Variation des Kenpo wurde vom Vater des amerikanischen Karate, Ed Parker, entwickelt und ist heute ein sehr großes System in Nordamerika und dem Rest der Welt. Das Kenpo-System ist auf geradlinigen und kreisförmigen Bewegungen, kurzen Schritten und einer Mischung aus Tritten, Schlägen, Blöcken, Griffen, Würfen und Fegen aufgebaut.

Die Selbstverteidigungsmethoden des Systems werden gründlich analysiert und lehren die Reaktion des Gegners zu verwenden um eine kontinuierliche und fließende Bewegung zu erhalten.

Die Methoden können manchmal sehr lang werden, aber dies hat zwei Gründe, erstens gibt dies dem Anwender einen gewissen Spielraum für Fehler unter realistischen Bedingungen und zweitens lehrt es eine Bewegung nicht sofort zu stoppen, nur weil gerade eine bestimmte Schlagkombination ausgeführt wurde. Jede Bewegung sollte wichtig sein und das Hauptziel, den Gegner durch zerstören seiner Grundlagen schnellstmöglich zu beseitigen.

Die Logik ist ein sehr wichtiger Bestandteil, im Gegensatz zu anderen Kampfkünsten, in denen die Tradition das Wichtigste ist. Der Kenpo-Praktiker wird ständig dazu angehalten die Kunst an sich anzupassen, anstatt sich an die Kunst. Gerade dies ein wichtiger Unterschied im Vergleich zu vielen anderen Systemen.

Bei einer Pause zwischen den Seminaren nutzten wir die Gelegenheit zu einem Interview:

Könnten Sie etwas zur Überlegenheit des Kenpo gegenüber anderen Systemen sagen?

Kenpo ist ein innovativeres Selbstverteidigungsystem. Es hat einen wissenschaftlicheren Charakter und eine analytische Behandlung der Bewegung, um Sie dazu zu bringen, so vorteilhaft zu arbeiten wie möglich. Was Kenpo so einzigartig und interessant macht ist die praktische Anwendung. Wir tun im Dojo genau das, was Sie tun sollten, wenn Sie eine Konfrontation auf der Straße gewinnen wollen. Es basiert auf Logik und Wissenschaft und ist deshalb leicht zu lehren und zu lernen, und außerdem es funktioniert.

Können Sie Ed Parkers Brillianz erklären?

Für uns war er schon zu Lebzeiten eine Legende. Er beherrschte die Kunst der Bewegung vollkommen. Er sah jemanden in Bewegung und konnte sagen ob etwas richtig oder falsch war, nur durch zusehen. Eine Möglichkeit die er für seine Bewegungsstudien benutzte,war sich selbst auf einem Videoband zu beobachten und er spielte es immer wieder vor und zurück. Dadurch gewann er neue Gesichtspunkte und was ihn so einzigartig macht war, daß er Analogien und wissenschaftliche Verbindungen herstellen konnte, die in der Realität funktionierten. Für einen der kein Kenpo praktiziert konnte es sehr kompliziert aussehen, aber in Wahrheit waren es sehr einfache Grundlagen. Ed Parker hat die Fähigkeit zu lehren kultiviert. Er bewegte sich sehr einfach und brachte sie dazu es zu verstehen.

Wie war das Training unter Ed Parker und wie war er als Lehrer?

Wir hatten das Privileg, die Gelegenheit zu haben unter Ed Parker zu trainieren. Er hatte sehr strenge Vorstellungen davon, wie wir trainieren sollten. So konnten wir zum Beispiel über eine Stunde nur an den Ständen arbeiten und während dieser Zeit keine andere Art von Bewegungen oder Methoden berühren. Er wollte daß wir das Kenpo so sehen, wie er es sah. Ich schätze was wir damals taten, obwohl es manchmal sehr hart war. Wenn wir Techniken übten, führte er sie sehr hart aus, er hielt sich nicht sehr zurück. Er war ein sehr großer Mann, aber er bewegte sich vorbildlich.

Was denken Sie, was haben Sie von ihm bekommen?

J. Sepulveda ist der Meinung, das wichtigste das wir von ihm bekamen war, daß wir manchmal nach seiner Weisheit rufen konnten. Er war nicht nur ein sehr intelligenter Mensch, der wußte wie man eine physische Bewegung analysieren und seine Beobachtungen zeigen kann, er besaß auch eine sehr große Lebenserfahrung. Er redete nicht nur von Tritten und Schlägen, er wollte, daß sie sehen, daß es ganzheitlich ist, wenn die Kampfkünste auf eine Person Einfluß nehmen.Während der folgenden Jahre hatten wir lange Diskussionen darüber und ich bin der Meinung, daß die Kampfkünste mich Geduld gelehrt haben und ein guter Lehrer und ein ausgewogener Mensch zu sein. Als Ausbilder sollte man nicht nur lehren wie man tritt und schlägt, sondern man sollte auch in der Lage sein für seine Schüler als Vorbild zu wirken. Während der letzten drei Jahre trainierten wir jede Woche zusammen und in dieser Zeit gingen wir durch das ganze System, bis ins kleinste Detail, sagt J. Sepulveda. - Abgesehen davon, daß er mich das ganze Kenpo-System lehrte, brachte er mir auch bei selbständig zu denken und das Kenpo selbst zu analysieren, sagt auch J. Speakman.

In den Handbüchern von E. Parker ist beschrieben, wozu man fähig sein sollte, um auf jedem Level zu dominieren, während der Selbstverteidigungs-Techniken oder den Formen. Will die Weiterentwicklung neue Techniken und Formen im unteren Bereich integrieren?

Ich denke ich kann diese Frage für uns beide beantworten, sagt J. Sepulveda. Nein, die Idee ist, daß die unteren Bereiche die Basis formen sollten, so daß der Schüler in der Lage ist mit diesem Material zu arbeiten. Normalerweise verweisen wir auf das Alphabet in Bewegung und das normale Alphabet in Ruhe. Die Entwicklung von neuen Kombinationen von Bewegungen ist analog dem hinzufügen neuer Wörter zu unserer Sprache. Die Essenz des Kenpo sind die Basis-Bewegungen und -Kombinationen und es ist die Aufgabe des Ausbilders, dies dem Schüler zu vermitteln. Der Schüler sollte diese Grundlagen lernen und mit der Zeit wird er die Fähigkeit entwickeln, neue Techniken und Kombinationen zu schaffen.

Man sagt, daß Kenpo eine wissenschaftliche Kriegskunst ist, können Sie das etwas näher erklären?

E. Parker verwendete Mathematik, Physik, Geometrie, Anatomie, Physiologie und einfache Logik. Das ist etwas, daß in den Kriegskünsten vorher nicht getan wurde, sagt J. Sepulveda und erklärt dies mit einem einfachen Beispiel. Wenn du 4 Grundtechniken hast, und du eine bestimmte Methode nur einmal machst, findest du 24 verschiedene Kombinationen. Um dich davon wirklich zu überzeugen, kannst du alle Kombinationen versuchen oder du verwendest eine einfache mathematisch Formel. Es ist eine einfache Fakultätsberechnung .

Warum wird Kenpo die " klatschende Kunst " genannt?

Der Grund ist, daß einige der jüngeren Generationen nicht unter E. Parker gelernt haben und ihren eigenen Weg gegangen sind bevor sie das Ganze System gelernt haben. "Klatschen" kann in einigen Situationen eine Bedeutung haben, aber es sollte nicht dazu mißbraucht werden nur Toneffekte zu erzeugen. Um zu erklären wann "klatschen" eine Bedeutung hat sagt J. Speakman, im Kenpo können sie, bevor sie ihren Gegner schlagen, ihre Faust auf ihren Körper auftreffen lassen. Auf diese Weise können sie mehr Schläge, schneller ausführen. Viele verstehen das nicht und interpretieren den sich ergebenden Toneffekt falsch.

Wann erreicht man eine Ebene im Kenpo, auf der Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, das man in der Lage ist sich in einer realen Situation selbst zu verteidigen?

Ich glaube nach nur ein paar Wochen Training und Führung haben sie genug Wissen, sagt J. Sepulveda, aber es ist abhängig von der Praxis und ich meine damit, wenn sie vorbereitet sind  will ihr Wissen arbeiten. Ich traf Ingmar 1992 in Jersey, während des ersten europäischen Sommercamps. Obwohl er sich sehr gut bewegte, gab es einige Dinge die fehlten und man konnte sehen, daß es hauptsächlich an der fehlenden direkten Führung lag. Durch das weitere Studium des Kenpo und die Teilnahme an verschiedenen Lehrgängen hat er sich zu dem entwickelt, was er heute ist und das ist ein sehr guter Kenpo-Praktiker. Er ist mehrmals zu verschiedenen Anlässen in den USA gewesen, um unter Führung zu trainieren. er ist ein sehr guter Kenpo-Ausbilder geworden, der die Prinzipien der Bewegung versteht und die Theorie seinen Schülern erklären kann. Um E. Parker zu zitieren: " Der Mann der weiß "wie", ist immer ein Student, aber wer weiß "warum" ist ein Lehrer. J. Speakman fügt hinzu das es seine erste Reise nach Schweden war und daß das schwedische Kenpo auf dem selben Level wie das Kenpo im Rest der Welt ist. Es hängt sehr stark davon ab, ob man einen erfahrenen Hauptausbilder hat, der sich nicht davor fürchtet mit anderen zu trainieren um Material zu erhalten, um besser zu werden und es in seiner Kenpo-Lehre zu verwenden.

 

In welche Richtung, denken Sie, wird sich das Kenpo entwickeln?

Meiner Meinung nach entwickelt sich das Kenpo in die richtige Richtung, sagt J. Speakman. Was ich meine ist, daß es viele andere Leute gibt, die ihre eigene Version des Kenpo praktizieren. Manche sind sehr gut, manche sind o.k. und wieder andere sind nicht so gut. Mit der Zeit werden ihre Schüler für die Zukunft verantwortlich sein. J. Sepulveda ist der selben Meinung und fügt hinzu, daá es aufgrund der jüngeren Generationen im Kenpo sehr viel progressiver werden wird. Sie haben gute Ideen, sind intelligent und sehr analytisch.

Wie ist das Kenpo-System konstruiert?

Wenn ich unterrichte, behaupte ich, daß wir kein Karate-System, sondern ein System von Bewegungen lehren, sagt J. Speakman. Die wichtigste Sache ist, wie die Schüler die Bewegung verwenden können, um in der Lage zu sein sich in einer realistischen Situation verteidigen zu können. Was mich sehr beeindruckt, ist wenn Schüler spontan eine Methode schaffen, von der sie fühlen, daá sie interessant und nützlich ist.

In welcher Gürtelstufe beginnen im Kenpo die Waffentechniken und was ist der Zweck von diesen?

Die Waffentechniken werden ab dem zweiten Braungurt unterrichtet. J. Sepulveda sagt, daß es so ist hat einen doppelten Zweck, erstens erhält das Waffentraining etwas von der Tradition und zweitens gibt es šbung im Umgang mit alltäglichen Gegenständen als Waffen. Ein Schirm oder Stock können zum Beispiel eine ausgezeichnete Waffe sein, wenn Sie angegriffen würden.

Mr. J. Sepulveda, Sie haben ihre eigenen Kenpo-Schulen. Erzählen Sie uns ein etwas mehr über diese?

Ich habe zwei Schulen die ich selbst führe, eine in Santa Clara und die andere auf Hawaii. Außer-dem habe ich noch mit 14 anderen Schulen Kontakt. Die Gesamtzahl der Schüler beträgt etwa 1100.

 

Mr.J. Speakman, sind Ihre Filme durch das Kenpo so erfolgreich oder umgekehrt?

Es paßt einfach alles zusammen. Wenn ich einen Film mache oder im Fernsehen auftrete, trage ich etwas zum Kenpo bei, in der ganzen Welt. Manches stimmt nicht überein, aber das kann daran liegen, daß ich nicht in ihrer Organisation bin oder nicht dazu gehöre. Man könnte sagen, wenn ich ein Kenpo-Seminar gebe, promote ich auch meine Filme und wenn ich eine Tour für einen Film mache, gebe ich ein normales Kenpo-Seminar.

Beabsichtigen Sie einen neuen Film zu drehen?

Ich habe schon einen neuen Film gemacht. Wir drehten in Israel und der Arbeitstitel war "Deadly Outbreak", aber über den endgültigen Namen wird noch entschieden. Es ist ein echter Action-Film mit einer Menge Kenpo, Explosionen und Verfolgungsjagden.

Wie ist das Gefühl ein Seminar in Schweden zu leiten?

Es ist phantastisch und macht sehr viel Spaß. Ich fühle mich geehrt hier sein zu dürfen. Der Standard hier in Schweden ist sehr hoch, und ich bin sehr beeindruckt von der Einstellung der Schüler während der Ausbildung.Hoffentlich besuchen sowohl die amerikanischen Ausbilder als auch ihre Schüler die Europameisterschaft, die im Mai '96 von Schweden ausgerichtet wird. Der Ausrichter, die Swedish Kenpo Karate Association, ist eine Organisation die daran arbeitet Praktiker im Ed Parker-Kenpo-Karate zu erziehen. Heute gibt es Schulen in Norrkoping, Malmo, Stockholm und Mariestad. Alle Schulen sind Mitglieder der Swedish Martial Arts Federation, International Kenpo Karate Association (IKKA) und der Organisation American Kenpo Senior Council. Das Kenpo-Karate Studio in Norrkoping ist das Hauptquartier in Skandinavien und eine sehr etablierte Schule, die seit 1987 aktiv ist. Der Hauptzweck der Schule ist es Selbstverteidigung zu unterrichten. Durch das Lernen von Kenpo entwickeln die Schüler Selbstdisziplin und innere Harmonie, und sind bereiter sich für positive Aktivit"ten einzusetzen, statt auf Alkohol und Drogen zu gehen.

Die Schule ist eine der größten Karate-Schulen in der Stadt und wurde von Ingmar Johansson gegründet. Als Hauptausbilder der Kenpo-Schule reist er zu verschiedenen Schulen um zu unterrichten und Vorträge über Gewalttätigkeit zu halten. Er versucht dadurch die negative Tendenz zur grundlosen Gewalt in der heutigen Gesellschaft zu verhindern.

Schweden und Norrkoping haben die Ehre das internationale Seminar und die Meisterschaft im Kenpo Ende Mai '96 zu organisieren und auszurichten. Praktiker aus der europäischen Elite werden hierzu erwartet und auch Ausbilder und Praktiker aus dem Rest der Welt wollen kommen.

Zum Beispiel aus Ländern Süd- und Zentralamerikas, den USA und Kanada. Die Organisatoren erwarten 400-600 Teilnehmer an den drei Tagen des Treffens. Im Zusammenhang mit diesem Treffen findet ein Schüleraustausch mit Schülern aus den USA und England statt, um einen Einblick in verschiedene Kulturen und Traditionen zu gewähren.

American Kenpo Server e-mail
Tel.: 0700-53676258